„Der Wald ist für mich ein Seelentröster“ sagt meine Freundin. Sie genießt lange Spaziergänge durch den Wald. Danach fühlt sie sich wie befreit. Der Wald tut uns gut, das spüren wir intuitiv. Ein tiefer Atemzug und die Lungenflügel füllen sich mit Leben. Die aromatische Waldluft, die wir einatmen, ist heilsam. Der Biologe und Autor Clemens G. Arvay beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Heilkraft von Bäumen. In einem Wald lässt die Pflanzengemeinschaft ein eigenes Mikroklima entstehen. „3.000 bis 10.000 Anionen – negativ geladene Sauerstoff-Ionen – pro Kubikzentimeter Luft sind im Wald vorhanden. In der Stadtluft dagegen sind es maximal 200. Negative Ionen unterstützen das Immunsystem, indem sie die Menge freier Sauerstoffradikale im Körper reduzieren. Weiterhin finden wir 90 Prozent weniger Staubteilchen in der Wald -als in der Stadtluft vor.“ Die Waldluft tut uns gut und das ist nicht nur ein Gefühl, sondern wird heute auch von der Wissenschaft belegt. Sie erforscht den heilenden Zusammenhang zwischen Mensch und Natur. Dabei ist herausgekommen, dass der positive Effekt größer ist, als wir bisher dachten. So kommunizieren die Pflanzen mit unserem Immunsystem, ohne das es ist uns bewusst wird, und stärken dabei unsere Widerstandskräfte. Clemens G. Arvey schreibt in seinem Buch „Der Biophilia-Effekt – Heilung aus dem Wald“, dass Waldspaziergänge, besonders im Winter, die körperliche Abwehr stärken. Der Grund dafür: Der Wald wirkt sich positiv auf das parasympathische Nerven- System aus. Der Nerv der Ruhe wirkt gegen chronischen Stress und hebt die allgemeine Stimmung. Gleichzeitig atmen wir im Wald von den Bäumen abgegebene Terpine ein, die unser Immunsystem stärken und unsere Abwehrzellen gegen gefährliche Zellen vermehren. Terpine sind Botenstoffe, die im menschlichen Körper Die Anzahl und die Aktivität der natürlichen Killerzellen erhöhen. In anderen Studien zeigt sich auch, dass Waldwege unsere Balance trainieren. Warum? Weil wir Im Wald oft über Stock und Stein und Wurzeln gehen. Es gibt ja keinen ebenen Grund. Waldwege wirken wie dreidimensionale Laufbänder, die unsere Bein- und Rumpfmuskulatur anregen. Die Weleda Natur-Studie 2020 belegt, dass sich die Mensch-Natur-Beziehung nicht in Balance befindet. Die Sehnsucht der Menschen wächst, zurück zu einem gesunden Gleichgewicht zu finden und sich wieder stärker mit der Natur zu verbinden. Die Japaner sprechen von „Shinrin Yoko“ und meinen damit „Waldbaden“. Dabei ist aber nicht das Baden in einem See oder Bach gemeint, sondern das Eintauchen in die Natur, mit allen Sinnen. Achtsam und Absichtslos losschlendern, Sinneseindrücke sammeln, Stress reduzieren – darum geht es bei „Shinrin Yoko“, das in Japan sogar Teil der stattlichen Gesundheitsverordnung ist.